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»Meins ist langweilig.«

Über die Relevanz biografischer Theaterarbeit
Maike Plath
»Spiel & Theater« 04/2012, Seite 2–5

Das biografische Theater (in der Schule) wird häufig missverstanden als Nabelschau persönlicher Befindlichkeiten. Dabei kann es im theaterpädagogischen Kontext und verantwortungsvoll angeleitet eine wertvolle „Nebenwirkung“ entfalten: Die Entwicklung des SELBST-BEWUSSTSEINS im wortwörtlichen Sinne von „sich seiner selbst in einem hochkomplexen gesellschaftlichen Spannungsfeld bewusst werden“. In einer Welt, die zunehmend zersplittert in unendlich viele Deutungsmöglichkeiten von Wirklichkeit, ist das eine nicht zu unterschätzende Kompetenz, die überhaupt erst zu selbstbestimmten Handeln befähigt.

Man könnte ja meinen, über das Thema „Biografisches Theater“ sei in der Schultheater-Szene inzwischen genug gesprochen und geschrieben worden. Moden kommen und gehen und der eine oder andere sehnt sich vielleicht mal wieder nach einem „richtigen“ werktreuen Stück, nach einer „richtigen“ Geschichte auf der Bühne.
Wie kommt das, dass wir eine „richtige“ Geschichte wollen und warum denken wir, dass wir diesbezüglich beim Biografischen Theater zu kurz kommen?
Was ist eine „richtige“ Geschichte? Was ist Biografie? Was ist gelungenes Schultheater? Und warum sollte es denn überhaupt biografisch sein?

Der Wunsch nach einer Geschichte hat etwas mit unserem Verlangen nach Sinn zu tun. Wir wollen etwas sehen, dass in irgendeiner Weise Bedeutung für uns hat. Das Gute an einer Stückvorlage von beispielsweise Lessing ist: Der Mann hat sich beim Schreiben viel Mühe gegeben, damit der Zuschauer den beabsichtigten Sinn erkennt. Er hat während des Schreibens Worte gegeneinander abgewogen, ausgewählt und so komponiert, dass wir Schritt für Schritt ein Gedankenkonstrukt nachvollziehen können und im besten Falle am Ende durch eine neue Erkenntnis bereichert sind. Lessing und auch andere Autoren tun nichts anderes, als Schneisen von Bedeutung in unsere ansonsten chaotische und sinnfreie Wirklichkeit zu schlagen. Das Leben an sich ist eine Ansammlung von Fakten, die nicht hierarchisch nach Bedeutung geordnet ist. Alles ist gleich wichtig oder unwichtig, alles ist gleich bedeutend oder unbedeutend: Erst durch einen spezifischen Betrachter erhält Wirklichkeit eine perspektivisch bedingte Sinnhaftigkeit. Dieser Vorgang lässt sich am besten am folgenden Beispiel veranschaulichen:

Befragen wir eine 80-jährige Frau nach ihrem Leben, so wird sie uns eine Geschichte erzählen, die auf uns vollkommen schlüssig und sinnhaft wirkt. Wie durch tausend wunderbare Zufälle spielen die einzelnen Situationen ihres Lebens ineinander: Wäre sie nicht an besagtem Tag an jenem speziellen Ort gewesen, hätte sie nicht ihren zukünftigen Mann kennengelernt, der sie wiederum seinem Freund vorgestellt hat, der ihr den Job bei der Zeitung verschafft hat, durch den sie zum Schreiben gekommen ist, weshalb sie dann den Mut fand eine Reportage über beschnittene Frauen in Afrika zu machen, weswegen sie dann … usw. usw.

Der Sinn ihrer Lebensgeschichte entsteht allein durch die Perspektive der Frau, die im Rückblick aufgrund ihrer gesammelten Erfahrungen, ihres gesammelten Wissens in der Lage ist, aus der unendlichen Anzahl an Fakten in ihrem Leben diejenigen auszusortieren, die zusammen einen Sinn ergeben. In jedem Augenblick ihres Lebens war es ihr möglich, das Vergangene in größeren Sinnzusammenhängen zu erzählen, was aber vor ihr in der Zukunft lag, war für sie noch nichts anderes als ein Strom ungeordneter, sinnfreier Wirklichkeits-Schnipsel.

Die Frau macht beim Erzählen ihrer Lebensgeschichte etwas Ähnliches wie Lessing: Sie schlägt eine Schneise der Bedeutung in eine ansonsten fragmentarisierte und dadurch sinnfreie Wirklichkeit. Dabei wird ihre Erzählung unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob sie ihre Biografie in einem familiären, einem medizinischen, einem emanzipatorischen oder einem religiösen Kontext, usw. erzählt. Aber was auch immer wir von ihr zu hören bekommen ist nur scheinbar eine “wahre” Geschichte:

Tatsächlich ist es immer ein Konstrukt, das nur durch sie selbst, durch ihre subjektive Deutung entsteht. Ihre Geschichte ist nur deshalb eine gute Geschichte, weil sie nicht bloße biografische Fakten erzählt. Eine bloße Aneinanderreihung der Fakten ihres Lebens – ohne Hierarchisierung von Bedeutung – wäre totlangweilig und nichtssagend (am 1. Juni 2010 um 8 Uhr aufgestanden, ins Badezimmer gegangen, in den Spiegel geguckt, Zahnpasta auf die Zahnbürste gedrückt, 4, 5 Minuten lang Zähne geputzt, mit lauwarmem Wasser ausgespült, usw. usw.).

Wenn wir auf Erlebtes zurück schauen, können wir der Wirklichkeit eine gewisse Relevanz verleihen, indem wir das Erlebte in einen speziellen Deutungskontext stellen und dabei an das kollektive Gedächtnis der Zuhörer anknüpfen.

Beispiel: Es ist langweilig, zu erzählen, dass unsere Mutter uns als Kind verboten hat, bei Regen draußen zu spielen – wenn wir diese Anekdote aber mit einer bestimmten Zeit in Verbindung bringen, lacht der Zuschauer, weil er plötzlich begreift, dass dies eine typische Reaktion auf die Tschernobyl-Reaktor-Katastrophe war und weil er sie mit eigenen Erfahrungen aus dieser Zeit abgleicht. Ebenso wäre es langweilig, zu erzählen, dass man in einem verspäteten Zug gesessen hat – erst die Referenz zur allgemeinen Situation der Deutschen Bahn erzeugt ein „Wir“-Gefühl beim Zuschauer, weil dieser im Kopf seine eigenen Erlebnisse mit der Deutschen Bahn ergänzt und sich in seinem eigenen Ärger über die Deutsche Bahn selbst repräsentiert fühlt.

Eigentlich verfügt jeder Mensch über diese Fähigkeit, das Erlebte so zu erzählen, dass es für eine spezifische Zuhörerschaft relevant wird: Wir erzählen unsere Lebensgeschichte ja auch ständig anders, je nachdem, ob wir sie unserem Arzt, unserem besten Freund oder unserem Arbeitgeber erzählen.

Wenn wir also Ausschnitte unserer Biografie absichtlich auf die Bühne stellen, dann sollten wir umso dringlicher wissen, warum und wie wir das tun, um eine Erlebnis- bzw. Deutungs-Schnittmenge mit dem Zuschauer zu erzielen. Sprich: Wir müssen wissen, in welchem Kontext wir etwas erzählen und welchen „Mehrwert“ dies für einen Zuschauer haben könnte. Wenn wir das nicht wissen, bleibt das Erzählte banal und bedeutunglos und der Zuschauer bleibt außen vor und zählt die Minuten, bis es endlich vorbei ist.

In diesem Sinne ist „nach Theodor Schulze Biografie als „Prozess, Produkt und Potential“ zu betrachten“ („Biografische Theaterarbeit zwischen kollektiver und individueller Darstellung“, Norma Köhler, kopaed 2009, S. 20).

Biografie als Prozess verweist auf die Veränderbarkeit unserer „Lebenserzählung“, je nachdem an welchem Punkt unseres Lebens wir uns gerade befinden und für welche Art der Bedeutungszuschreibungen wir uns zu diesem Zeitpunkt entscheiden; durch das, was morgen, übermorgen und noch später passiert, verändern wir ständig unsere Auffassung davon, was unsere „Biografie“ ist.

Biografie als Produkt bezeichnet den jeweiligen Biografieentwurf, den wir zu einem bestimmten Zeitpunkt anderen gegenüber sichtbar machen.

Biografie als Potential verweist auf den Umstand, dass „jeder Biografieentwurf Möglichkeiten zur Bewusstwerdung, Bestätigung oder Erweiterung des eigenen Selbst- und Lebenskonzepts enthalten kann.“ (s.o. Norma Köhler, S. 21)

Im zuletzt genannten Aspekt liegt ein geradezu spektakulärer Wert biografischer Theaterarbeit für heranwachsende Jugendliche: Dadurch, dass ich über meinen eigenen Biografieentwurf (beispielsweise künstlerisch) bewusst reflektiere, erweitere ich mein Bewusstsein über mich selbst und erlange dadurch eventuell eine höhere „Kompetenz, „Regie über die eigene Lebensführung zu übernehmen“, welche vor allem Peter Alheit vielfach als „Fähigkeit zur Biographizität“ beschrieben hat“. (s.o. Norma Köhler, S. 22).

Die große Herausforderung der biografischen Theaterarbeit liegt somit in der Generierung von Sinnhaftigkeit und Bedeutung, im Sinne von Relevanz, welche nämlich nicht von selbst (wie in einem Stück von Lessing) schon da ist. Lessing hat uns Spuren im Sand hinterlassen, die wir einfach (oder auch nicht einfach) nachwandern können, was auch ein Gewinn ist. Aber viel spannender ist es doch eigentlich, eigene, neue Spuren zu setzen. Die Herausforderung liegt dann aber darin, dies so zu tun, dass ein anderer (nämlich der Zuschauer) diese Spuren erkennen und unserem (Bedeutungs-)Weg folgen kann.

Aber genau hier liegt offenbar die große Schwierigkeit des biografischen Theaters in der Schule. Wir erinnern uns: Der Zuschauer will eine „Geschichte“, in Wahrheit Bedeutung im Sinne von Relevanz. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, reicht es aber nicht, einfach eine persönliche Befindlichkeit nach der anderen auf die Bühne zu stellen. (Auch dann nicht, wenn es ästhetisch professionell dargeboten wird! Viereinhalb Minuten lang Zähneputzen bleibt eben viereinhalb Minuten lang Zähneputzen, auch wenn es durch eine Video-Leinwand gedoppelt wird und alle Spieler synchron in Zeitlupe Zähneputzen).

Ein Schüler, der einen biografischen Text verfassen soll, scheint all das immer schon geahnt zu haben. Denn fast immer kommt der Satz: „Meins ist langweilig“, im Sinne von: „Was ich erlebt habe, ist nicht relevant“. Viele Schüler meinen, weil sie keine „krassen Ghetto-Geschichten“ in petto haben, reichen ihre „Normalo-Erlebnisse“ für so etwas “Großes” wie ein Theaterstück nicht aus. Im schlechtesten Fall wollen sie dann „irgendwas mit Drogen und Gewalt“ auf die Bühne bringen, in der Hoffnung, dadurch spektakulär zu sein – oder sie verkrampfen in narzisstischen, künstlich problematisierenden Weltschmerz-Attitüden. All das hat mit biografischem Theater nicht das Geringste zu tun.

Eine Ansammlung von biografischen Schüler-Texten, so liebevoll sie auch in angeleiteten Schreibaufgaben entstanden sein mag, bleibt eine Ansammlung von chaotischen, fragmentarisierten, sinnlosen Ausschnitten der Wirklichkeit, wenn keine vertiefenden Reflexionsprozesse darüber statt finden. Solche Spuren verlaufen im wahrsten Sinne des Wortes im Sande, wenn keine Verdichtung und Zuspitzung auf größere Themen und Kontexte erfolgt.

Was sind „größere“ Themen? Wie erfolgt eine Verdichtung und Zuspitzung?

Zunächst müssen wir uns folgendes bewusst machen:
„Die Biografie eines Menschen ist keine „Privatsache“, die mit unserer Gesellschaft nichts zu tun hat, sondern jede Erfahrung steht in einem konkreten, geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext. In der Lebensgeschichte jedes einzelnen Menschen spiegeln sich die Bedingungen des geschichtlichen, kulturellen und familiären Umfelds, die für eine ganze Gesellschaft gelten.“
(Blätter zur politischen Bildung: Theater probieren – Politik entdecken, bpb 2011, S. 63)

Um zu sehen, was am Eigenen relevant sein könnte, braucht es Distanz und die Möglichkeit anderer Perspektiven auf das Eigene, Private. Hierin liegt eine der wichtigsten Aufgaben des Theaterlehrers:

Wir müssen unseren Schülern andere Perspektiven auf sich selbst eröffnen. Wer nur im eigenen Saft schmort, empfindet „seins zwangsläufig als langweilig“.

Als Theaterlehrer ist es unsere Aufgabe, einen Prozess in Gang zu setzen, der eine zunehmende Distanz zur eigenen privaten Befindlichkeit ermöglicht.
Erster und wichtiger Schritt in diesem Prozess ist es, unsere Schüler ernst zu nehmen und ihre Erlebnisse und Äußerungen nicht im Stillen – oder sogar öffentlich – zu banalisieren. Denn:

Wenn wir neugierig sind und unseren Schülern ehrliches Interesse entgegenbringen, erfahren wir all das, was auch in der großen Literatur verhandelt wird. Und zwar unabhängig von Gesellschaftsschicht, Herkunftsland, Alter oder Geschlecht – also auch völlig unabhängig davon, ob wir mit einem Hauptschüler in Berlin-Neukölln oder einem Gymnasiasten in Baden-Württemberg sprechen! Letzterer hat vielleicht bessere Mechanismen des Verbergens (sprich der Anpassung) gelernt, aber die Erfahrungen mit den großen Themen des Lebens (unglückliche Liebe, Neid, Versagensängste, Hochmut, Zorn, Eifersucht, Einsamkeit, Enttäuschung, sich unverstanden, ausgegrenzt und/oder ungerecht behandelt fühlen, Hoffnung, Liebe, Glück, usw. usw.), sind bei allen Menschen vorhanden – also auch bei unseren Schülern!

Bevor jemand über den Liebeskummer eines 14-Jährigen schmunzelt, sollte er bedenken, dass Shakespeare darüber ein ganzes Stück geschrieben hat. Und wer nun einwirft, unsere Schüler sind aber nicht Shakespeare, hat natürlich recht: Genau hier setzt aber doch unsere Aufgabe als Theaterlehrer ein! Wir (!) müssen sie dazu befähigen, aus diesem privaten Gefühl Kunst zu machen!

Sprich: Wir (!) müssen sie Schritt für Schritt dazu befähigen, die Allgemeingültigkeit dieses Themas herauszuarbeiten und eine ästhetische Form dafür zu finden, die einen Zuschauer erreicht.

Dabei helfen uns folgende Fragen: Was erzählen die Schüler? Was wollen die? Was fürchten sie? Wo unterscheiden die sich von uns, als wir in ihrem Alter waren? Was ärgert uns an ihnen? Was freut uns an ihnen? Warum ist das so? Was sind ihre Gewohnheiten, ihre Pläne, ihre Träume? (Welches sind/waren unsere eigenen?)

Besonders interessant wird das Ganze, wenn wir ständig in unserem Kopf Verbindungen herstellen zwischen dem, was im Kleinen (Privaten) und dem, was im Großen (Allgemeingültigeren) passiert. Neugier und Sensibilität, für das, was um uns herum geschieht (auch im größeren, gesellschaftspolitischen Rahmen) und was die Jugendlichen beschäftigt, sind wichtige Voraussetzungen für die biografische Theaterarbeit. In der Verknüpfung dieser beiden Pole liegt das Geheimnis relevanter biografischer Arbeit.

Daraus folgt für die praktische Umsetzung:

1. Wir (als Theaterlehrer) müssen möglichst viel über unsere Schüler herausfinden und ihnen dabei wertfreie Ernsthaftigkeit entgegenbringen. Wo liegen die Interessenschwerpunkte, wo die Aggressionen oder Ängste, wo gibt es Ablehnung, wo Zuspruch? Was könnten Themen dieser Gruppe sein? (Hier geht es nicht nur darum, sie zu fragen, was sie interessiert, sondern sie zu beobachten, eigene Betrachtungen anzustellen und ihnen diese zu spiegeln, auch – und gerade, wenn dadurch Widerspruch erzeugt wird! Widerspruch ist oft produktiv!)

Wenn wir die Themen unserer Schüler sichtbar gemacht haben, gilt es, diese zu verdichten – und zwar auf größere Themen hin, z.B. Zukunft, Angst, Prägung, Familie, Liebe, Gewalt, Einsamkeit, Isolation, Individuum versus System, usw. Dabei müssen wir das, was die Schüler dazu schreiben oder äußern, ständig beobachten, auswerten und entsprechende neue thematische Impulse geben.

Denn:

2. Biografisches wird erst in der Reibung

  • mit dem Fremden
  • dem Vergangenen
  • und mit der Außenwelt

bedeutsam.

Wir (als Theaterlehrer) müssen diese Reibung überhaupt erst möglich machen, indem wir (möglichst auch widersprüchliche oder provokante) Impulse geben und die Schüler mit Inhalten von außen versorgen. Jeder noch so gebildete Jugendliche sitzt in einer (gedanklichen) Blase der Gewohnheit, aus der er „rausgeschmissen“ werden muss. Dabei müssen wir das In-Frage-Stellen von vermeintlichen Sicherheiten als motivierende Erfahrung erlebbar machen (hier ist Gespür dafür erforderlich, was einer Gruppe zugemutet werden kann). Jugendliche, die sich von ihrem (Schul-)Alltag und von den Anforderungen einer immer komplexer werdenden Welt überfordert fühlen, werden stärker und selbstbewusster, wenn sie ihr subjektives Weltbild mit möglichst vielen anderen Perspektiven abgleichen können.

Impulse von außen können Textvorlagen, Filme, Zeitungsausschnitte, Theaterbesuche, Recherchen im Internet zu bestimmten Themen, Diskussionen zu provokanten oder/und aktuellen Themen, usw. sein. Wichtig dabei ist, dass wir unsere Schüler unablässig dabei beobachten, das Erlebte (auf der Grundlage unseres eigenen größeren Wissens- und Erfahrungsschatzes) auswerten und auf dieser Grundlage neue Impulse in die Gruppe geben. Denn: Biografische Arbeit wird erst in der Auseinandersetzung mit fremden Inhalten richtig produktiv. Durch die Beschäftigung mit dem Außen, wird eine Distanz zum Selbst ermöglicht, die eine Generierung von Sinn und Bedeutung für die eigene Biografie überhaupt erst ermöglicht.

3. Zunehmend sollten Inhalte und eigene Haltungen dazu durch das Ausprobieren ästhetischer Formen reflektiert werden, wobei hier immer folgende Fragestellungen im Zentrum stehen müssen:

Was will ich aussagen?
Welche ästhetische Form hat welche Wirkung (auf den Zuschauer)?
Welche ästhetische Form eignet sich für welchen beabsichtigten Inhalt?
Auf welches allgemeingültige Thema ist meine biografische Geschichte bezogen, im Sinne von: In welchem größeren Kontext steht meine biografische Geschichte? Warum soll der Zuschauer davon erfahren?
Durch welche ästhetischen Mittel knüpfe ich an das kollektive Gedächtnis der Zuschauer an?
Wie schaffe ich es, dass meine biografischen Inhalte auf etwas verweisen, das auch für den Zuschauer von Bedeutung ist?

Gelingt in diesem hochkomplexen Verdichtungsprozess der ständigen sinnhaften Verknüpfung zwischen dem Selbst und dem Außen eine eigene, selbstbewusste Deutung der ansonsten fragmentarisierten Wirklichkeit, so ist beim Jugendlichen damit ein sehr wesentlicher Bildungsschritt gelungen.

Das Paradoxe besteht hierbei in dem Umstand, dass diese Wirkung sich aber nur dann entfaltet, wenn es innerhalb des Prozesses ausschließlich um künstlerische Fragen und Entscheidungen geht, das künstlerische Produkt also das Ziel ist – niemals das pädagogische Anliegen!

Wenn diese – nicht neuen! – Gedanken bei jeder biografischen Arbeit im Schulkontext berücksichtigt würden, dann hätte jeder Zuschauer bei einer biografischen Schultheater-Produktion seine „richtige“ Geschichte – und würde eventuell die werktreue Lessing-Inszenierung dafür links liegen lassen.

Was aber noch wichtiger ist: Wir hätten dem klagenden Schüler ein für alle Mal bewiesen, dass „seins nicht langweilig ist“!!

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aktuell

31. Oktober 2017

Eine neue Geschichte

Ich habe lange nicht geschrieben, weil ich das, was an Zeit übrig blieb (Urlaub und nachts) in etwas anderes investiert habe: Man könnte sagen, in mein neues Buch. Das stimmt. Man könnte aber auch sagen: in die nächste kleine Selbstermächtigung, oder Befreiung, oder wie auch immer...

Mehr dazu unter:
maikesblog.de




26. Juni 2017

Presse-Beiträge zum Film »Act! Wer bin ich?«

Der Film »Act! Wer bin ich?« ist angelaufen, wird aber so richtig erst ab September in den Kinos laufen, da es jetzt sehr sommerlich ist und keine günstige Kino-Zeit. Wer aber schon neugierig ist, kann sich hier schon mal ein paar Beiträge und Rezensionen zum Film anschauen…

Presse

http://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-artour/video-artour-maike-plath100.html

http://mediathek.rbb-online.de/tv/rbb-AKTUELL/Rosa-von-Praunheim-mit-neuer-Doku/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3907840&documentId=43705946

http://www.deutschlandfunk.de/dokumentarfilm-act-wer-bin-ich-der-mut-von-einzelnen-wird.807.de.html?dram:article_id=389044

https://www.rbb-online.de/kultur/beitrag/2017/06/interview-rosa-von-praunheim-jugendtheater-dokumentarfilm-act.html

http://www.spielfilm.de/filme/3004746/act-wer-ich-bin/kritik
https://www.rbb-online.de/kultur/beitrag/2017/06/interview-rosa-von-praunheim-jugendtheater-dokumentarfilm-act.html

https://www.rbb-online.de/rbbaktuell/archiv/20170621_2145/neue-doku-von-rosa-von-praunheim.html

Der folgende Link ist ein Beitrag vom Tagesspiegel zu unserer aktuellen Jugend-Theaterproduktion am Heimathafen: »Die Matrix der Demokratie«
Wir spielen noch heute Abend und nächste Woche am 28., 29. und 30. Juni jeweils um 19.30 Uhr auf der Studiobühne im Heimathafen Neukölln!
http://video.tagesspiegel.de/heimathafen-neukolln-lust-auf-demokratie-haben.html




09. Juni 2017

Achtung!!!
Jetzt viel besser lesbar und gut ausdruckbar:
mein neuer Blog unter maikesblog.de!

Die alten Blog-Beiträge von dieser Website sind komplett in den neuen Blog übernommen und jetzt unter maikesblog.de zu finden – vor allem aber stehen alle neuen, aktuellen Blog-Einträge ab 9. Juni 2017 unter maikesblog.de




11. Mai 2017

Filmpremiere

ACT! WER BIN ICH?
Premiere des Dokumentarfilms von Rosa von Praunheim

Mit dem Film »Act! Wer bin ich?« liefert Rosa von Praunheim ein eindrückliches Porträt der Theaterarbeit mit Jugendlichen am Heimathafen Neukölln. Sowohl die Lehrerin Maike Plath, die nach 17 Jahren ihre Verbeamtung aufgibt und dem staatlichen Schuldienst den Rücken kehrt, als auch die Neuköllner Jugendlichen setzen einem wertenden und einschränkenden Schulsystem die eigene Stimme entgegen: Was kann ich? Wie kann ich diese Welt mitgestalten? Wer bin ich? Rosa von Praunheim entdeckt und feiert in diesem Film die individuelle Strahlkraft der Jugendlichen und den Zauber der emanzipatorischen Kraft des Bildungsmittels Theater.

Premiere: 21. Juni 2017, 20:30 Uhr
Ort: Heimathafen Neukölln
Karl-Marx-Straße 141, Berlin-Neukölln

Der Film kann auch auf Ihre private Initiative über verleih@missingfilms.de (Christos Acrivulis) bundesweit in Ihr nächstgelegenes Programm-Kino geholt werden.

Zum Kinotrailer




13. September 2016

Ankündigung

Das neue Jugendtheaterprojekt am Heimathafen Neukölln:
Die Matrix der Demokratie – »Winter is coming«?
Verschärft durch die Geflüchteten-Problematik und die offensichtliche Angst vor »Überfremdung« verhärten sich derzeit überall die Positionen – und nationalistische und ideologische Positionen verbreiten sich in einem Maße, das wir noch bis vor Kurzem für völlig unvorstellbar gehalten haben. Warum vertrauen so viele unseren westlichen Grundwerten so wenig? Was können wir tun?
 
Die neue Weltunordnung macht uns Angst – wir fragen uns:
 
Wie entsteht Krieg?
Was ist Demokratie?
Wie wollen wir leben?
Was für eine Welt wünschen wir uns für unsere Kinder?
Was können wir tun?
 
Was kann Demokratie?
Können WIR Demokratie?
Warum? Warum nicht?
Was sind die Folgen?
 
Wie sieht er aus – der Geheim-Code, die Matrix der Demokratie?
 
Wir fragen Menschen in Berlin, wir filmen, wir fragen nach, wir halten fest: Was passiert gerade mit der Demokratie?
 
Was passiert gerade mit der Welt, die wir kennen?
 
Erfüllt sich der Satz aus »Game of thrones«: Winter is coming?
 
Können wir etwas tun...?
 
Das Projekt »Die Matrix der Demokratie« ist ein Recherche-Projekt. Es entstehen unter anderem: Film, Theater, Aktionen im öffentlichen Raum.
 
Probenbeginn: 12. September 2016
Proben: jeden Montag 17 bis 20 Uhr auf der Studiobühne im Heimathafen Neukölln
Premiere und weitere Vorstellungen im Juni 2017




05. September 2016

Alles Gute zum Schulanfang!

Klickt auf YouTube oder Facebook !




21. März 2016

Workshop-Angebote von Maike Plath – auch für Einzelpersonen – ab September 2016 über den Verein ACT e.V. in Berlin!!
Alle Informationen unter www.act-berlin.de

 
Die neue Jugendtheaterproduktion der ACTIVE PLAYER NK am Heimathafen Neukölln:
How long is paradise?
Die neue Theater-Produktion vom Jugendclub am Heimathafen ACTIVE PLAYER NK zum Thema Glaube

»Früher glaubte ich, dass Menschen nach dem Tod in den Himmel gehen. Deswegen stand ich an stürmischen Tagen am Fenster – voller Erwartung, dass ich jemanden beobachte, der zum Himmel aufsteigt.« (Samira, 16 Jahre)
»Ich glaube an gute und böse Bakterien.« (Can, 14 Jahre)
»Als ich sechs Jahre alt war, glaubte ich, dass die Welt vor 1980 schwarz-weiß gewesen ist – wegen der Filme und Fotos von früher.« (Zahar, 16 Jahre)
»Als ich klein war, habe ich geglaubt, dass die Schule Spaß macht.« (Sercan, 14 Jahre)
»Damals haben meine Eltern mir erzählt, dass es die sieben Dragonballs gibt. Aus diesem Grund wollte ich nicht mehr in die Schule gehen, weil ich die Dragonballs suchen wollte.« (Taher, 19 Jahre)

Was wissen wir? Was glauben wir? Woher wissen wir, was wir glauben?
Wohin gehen wir?
Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Zweck des Lebens?
Gibt es Gut und Böse?
Wozu brauchen wir Religion?
Was brauchen wir?
Was sollen wir tun?

Die ACTIVE PLAYER NK vom Heimathafen Neukölln gehen in diesem Jahr der Frage nach dem Glauben nach und beleuchten unterschiedlichste Blickwinkel und Perspektiven auf das älteste Thema der Welt.

Von und mit:
Walid Al-Atiyat, Nancy Ortiz-Dominguez, Batuhan Seker, Berkant Karadag, Sinan Özmen, Nikolai Scheel, Andreas Denic (Kenzo ontour), Matthias Chernikov, Olga Zgiep, Yasmin Kirschner, Karolina Marcinkiewicz, Ronnie Mertens, Hala El-Nasser, Salma El-Nasser, Shirin El-Ahmad, Moritz Scheffler, Kasimir Noack, Vivien Kroyer, Arkadas Karabulut, Yussuf Kocluoglu, Luciano Daniel Rammin, Ferhat Kocaman und
Assistenz: Frederic Gülbeyaz | Fotodokumentation: Friederike Faber | Bühne: Maria Zillich, Line Wasner, Julia von Schacky | Musik-Komposition, Produktionsdesign: Moritz Degen | Künstlerische Leitung und Regie: Maike Plath, Maria Zillich
 
Premiere: 16. Juni 2016, 20 Uhr, Studiobühne Heimathafen Neukölln
Weitere Vorstellungen: 17., 18., 23., 24., 25., 30. Juni sowie 01. und 02. Juli, jeweils 20 Uhr
Alle Vorstellungen auf der Studiobühne im Heimathafen Neukölln
Eintritt: 8,00 Euro
Studiobühne Heimathafen Neukölln, 1. Stock
Karl-Marx-Straße 141
12043 Berlin
www.heimathafen-neukoelln.de

Tickets und Info: 030/56 82 13 33
karten@heimathafen-neukoelln.de

Ein Projekt von ACT e.V. und Heimathafen Neukölln, gefördert durch »Künste öffnen Welten«




16. September 2015

»Ich glaube – also bin ich«
Das neue Jugendtheaterprojekt am Heimathafen Neukölln

Das neue Theaterprojekt von ACTIVE PLAYER NK am Heimathafen hat letzten Montag begonnen!
Ein paar Live-Eindrücke:
Schau dir »THEATER BEGINNT WIEDER« auf YouTube an!




03. August 2015

Neuer Blog-Eintrag:

Der Film »Men & Chicken« als extremes und extrem kluges Lehrstück zum Thema Inklusion
Hier – oder in der Menüleiste – auf maikes.blog klicken!




24. Mai 2015

Neues auf Maikes Blog!

Neues vom Heimathafen auf Vimeo!




22. Januar 2015

Vielfalt im Heimathafen Neukölln

Maikes Blog: Blog-Eintrag 22. Januar 2015

Am Heimathafen laufen derzeit die Proben für »Kafka im Kopf«. 21 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 24 Jahren mit verschiedensten kulturellen und sozialen Hintergründen beweisen derzeit in jeder Probe, dass Vielfalt nicht nur Spaß macht – sondern vor allem alle Beteiligten zu Höchstleistungen anspornt.




16. Juli 2014

Zwei Materialkästen zum partizipativen biografischen Theaterunterricht

Neu bei Beltz im Oktober 2014

Weitere Informationen




14. Juni 2014

»Niemand sollte mir mehr sagen können: ›Das geht nicht!‹«

Maike Plath im taz-Interview mit Anna Lehmann
taz.am wochenende vom 14./15. Juni 2014

Artikel zum Download:




24. Juni 2014

Ein neues Jugendtheater-Projekt von Mitspielgelegenheit e.V. am Heimathafen Neukölln:

»KAFKA IM KOPF«!!

Probenstart im Heimathafen am 1. September 2014!

Nach zehn ausverkauften Vorstellungen von »Tear down this classroom« geht die Jugendtheaterabteilung am Heimathafen nun in die Sommerpause.

Die Vorbereitungen für das neue Jugendtheater-Projekt am Heimathafen laufen allerdings schon auf vollen Touren.
Am Montag, dem 1. September 2014, geht es wieder los:
Mit »Kafka im Kopf«!

Alle, die Lust haben auf ein neues Theaterprojekt am Heimathafen und zwischen 14 und 22 Jahre alt sind, sind herzlich willkommen!

Am Montag, dem 1. September, treffen wir uns um 16:00 Uhr auf der Studiobühne im Heimathafen (1. Stock). Wir freuen uns auf euch!

Und darum wird es gehen:
»Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hatte, wurde er eines Morgens verhaftet.«
(Franz Kafka, Der Prozess)

Wir stellen uns ein paar Fragen:

  • Was würdest du machen, wenn du eines Morgens ohne jeden Grund verhaftet wirst?
  • Welche Fragen würdest du dir – und anderen – stellen?
  • Würdest du für deine Rechte kämpfen?
  • Welche Rechte?
  • Was hättest du zu sagen?
  • Bist du nicht selbst Schuld?
  • Was weiß der Staat über dich?
  • Was weiß Google über dich?
  • Bist du sicher, dass du immer das Richtige getan hast?
  • Was ist das Richtige?
  • Für wen?

Was würdest du machen, wenn du eines Morgens aufwachst und feststellst:
Du bist Staatsfeind Nummer 1!




09. Mai 2014

Neue Jugendtheaterproduktion am Heimathafen Neukölln:
»Tear down this classroom«

Neun Jugendliche unterschiedlicher Kulturen aus Neukölln untersuchen den wunderlichen Kontrast zwischen dem klassischen deutschen Klassenzimmer – als stärkstem Symbol unseres Bildungssystems – und der Welt, in der sie leben und leben werden.

Premiere:  22. Mai 2014, 19.30 Uhr




30. Oktober 2013

Die Proben für das neue Jugendtheater-Projekt von Mitspielgelegenheit e.V. am Heimathafen Neukölln sind in vollem Gange. Premiere ist am 22. Mai 2014.

Tear down this classroom!!

In der vierten Jugendtheater-Produktion am Heimathafen gehen wir mitten ins Herz des deutschen Bildungssystems – in den Klassenraum – und starten von dort aus unsere Recherche. 18 Jugendliche verschiedenster Kulturen aus Neukölln untersuchen den wunderlichen Kontrast zwischen dem klassischen deutschen Klassenzimmer – als stärkstem Symbol unseres Bildungssystems – und der Welt, in der sie leben und leben werden.

Sie richten den Blick auf das Komische und Widersprüchliche in ihrem Schulalltag und stellen die Frage nach dem Sinn von Schule: Worauf soll die Schule vorbereiten? In welchem Zusammenhang stehen Schule und Gesellschaft? Was hat sich verändert? Wie könnte oder sollte Schule gegenwärtig und zukünftig sein? Brauchen wir überhaupt noch das Klassenzimmer? Wem nützt es und wem nicht?

Ausgangspunkt unserer Überlegungen ist der so berühmte – und doch im Detail erstaunlich unbekannte – Brandbrief der Rütli-Schule. Was war da eigentlich los, und was bedeutete es?

Die Jugendlichen richten nun ihre Aufmerksamkeit auf das, was damals in den Medien gar nicht vorkam: ihre eigene Perspektive.

Proben: jeden Montag von 16 bis 19 Uhr auf der Studiobühne am Heimathafen

Endproben: 19. bis 22. Mai 2014, täglich von 10 bis 16 Uhr

Premiere: 22. Mai 2014, 19 Uhr

Weitere Vorstellungen: 23., 24. sowie 26., 27., 28. und 29. Mai 2014, jeweils um 19 Uhr

Alle Vorstellungen auf der Studiobühne Heimathafen (1. Stock)




06. Juni 2013

Das neue Jugend-Theaterprojekt am Heimathafen startet
am Montag, dem 19. August 2013!!
Um 16 Uhr auf der Studiobühne im Heimathafen!

Ein Projekt von Mitspielgelegenheit e.V. und dem Heimathafen Neukölln

Für junge Menschen (13 bis 19 Jahre):

Du möchtest schauspielern, singen, tanzen, auf der Bühne stehen? Man hat dich noch nicht entdeckt? Dann wird es Zeit!

Im Theater Heimathafen Neukölln (Karl-Marx-Straße 141) kannst du dich jedes Jahr im August zu einem neuen Theaterprojekt anmelden. Nach den Sommerferien ist es jetzt wieder soweit!

Wann?  Am Montag, dem 19. August 2013, um 16 Uhr, geht es wieder los!

Wo?  Auf der Studiobühne im Heimathafen Neukölln (1. Stock).

Wenn du dabei sein möchtest, schreib mir einfach eine Mail!
mitspielen@maikeplath.de
oder komm einfach am 19. August vorbei!

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